Notfallseelsorge in der Schule
– 70 Frauen und Männer beim vierten Münsterländer
Tag der Notfallseelsorge am 24. April 2026
Ein leerer Stuhl im Klassenraum. Flüsternde Stimmen auf dem Flur. Lehrkräfte, die um Worte ringen, während
Schülerinnen und Schüler versuchen zu begreifen, was geschehen ist. Wenn ein tragisches Ereignis das Leben
an einer Schule erschüttert, gerät der gewohnte Alltag aus dem Gleichgewicht – und genau in solchen Momenten
wird Notfallseelsorge zu einem wichtigen Halt für viele Betroffene.
Pfarrer Ingo Janzen, Regionalpfarrer
für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche von Westfalen,
sprach über die Herausforderungen von Einsätzen an Schulen.
© Bistum Münster
„Die Notfallseelsorge wird als verlässlicher Partner in der Rettungskette immer stärker wahrgenommen“, eröffnete Peter
Bromkamp, Ansprechpartner für die Notfallseelsorge im Bistum Münster, den vierten Münsterländer Tag der
Notfallseelsorge am 24. April. Rund 70 Mitarbeitende der Notfallseelsorge aus den Kreisen Warendorf, Borken, Coesfeld,
Steinfurt und der Stadt Münster kamen zu dem Fortbildungstag im Stadtweinhaus in Münster zusammen. Im Mittelpunkt
stand das Thema „Notfallseelsorge in der Schule“ – ein Einsatzfeld, das besondere Anforderungen an die Helfenden
stellt.
Zu Beginn erklärte Pfarrer Ingo Janzen, Regionalpfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche von Westfalen,
dass Einsätze an Schulen für Notfallseelsorgende eine besondere Herausforderung darstellen. Schule sei ein vertrauter
Ort, zu dem viele eigene Erinnerungen hätten – zugleich aber ein komplexes System mit festen Strukturen, in das
Einsatzkräfte als Gäste eintreten. Besonders wichtig sei es daher, klaren Aufträgen zu folgen, Ruhe zu bewahren und
sich eng mit den Verantwortlichen vor Ort abzustimmen. „Wir kommen da rein, wo auf einmal nichts mehr normal ist –
und treffen auf sehr viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Reaktionen“, machte Janzen deutlich. Gerade deshalb
brauche es Geduld, klare Rollenverteilungen und eine gute Zusammenarbeit im Team, um Betroffene wirksam
unterstützen zu können.
Verlässliche Strukturen sind wichtig
In drei Workshops wurden anschließend unterschiedliche Aspekte von Schuleinsätzen vertieft. So widmete sich Verena
Schrimpf dem Thema „Rituale im Kontext eines schulischen Todesfalles“. Die Referentin für die Schulseelsorgenden im
Bistum Münster zeigte auf, wie sehr ein Todesfall das System Schule aus der Bahn werfen kann und wie wichtig
verlässliche Strukturen in solchen Momenten sind. „Rituale können helfen, Gefühle auszudrücken und Übergänge zu
gestalten. Sie schaffen Orientierung in Situationen, die von Unsicherheit geprägt sind, und stärken das Gefühl von
Gemeinschaft“, erklärte sie.
Anhand mehrerer Beispiele verdeutlichte sie, wie solche Rituale konkret aussehen können: das Gestalten eines
Erinnerungsortes, das Schreiben von Kondolenzkarten oder gemeinsame Gedenkminuten. Die Referentin betonte, dass
Rituale immer freiwillig bleiben und sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren müssen. „Ziel ist es, Sicherheit
zu geben und gleichzeitig Raum für individuelle Trauer zu lassen“, betonte Verena Schrimpf.
Notfallsysteme in Schulen
Judith Matern, stellvertretende Schulleiterin des Overberg-Kollegs in Münster, gab in ihrem Workshop „Hinter den
Kulissen – Strukturen in Schule“ Einblicke in die organisatorischen Abläufe einer Schule. „Eine Schule funktioniert wie ein
kleines Dorf mitten in der Stadt. Krisen und Notfälle gibt es dort ganz genauso wie in der übrigen Gesellschaft“, erläuterte
die Pädagogin. In Krisensituationen sei es deshalb entscheidend, die richtigen Ansprechpartner schnell zu finden und zu
wissen, wie Entscheidungen getroffen werden. Die Teilnehmenden lernten die Notfallsysteme kennen, die allen Schulen
in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stehen. Anhand eines Fallbeispiels konnten die Strukturen praktisch nachvollzogen
werden.
Pfarrer Ingo Janzen nahm in seinem Workshop besondere Situationen in den Blick, die im schulischen Umfeld auftreten
können. Anhand konkreter Beispiele wie dem eines Schulbusunfalls machte er deutlich, wie schnell ein Einsatz komplex
werden kann.
Martin Remke, katholischer Koordinator für die Notfallseelsorge im Kreis Warendorf und in Münster, fasste am Ende
zusammen: „Der Tag hat gezeigt, wie wichtig die Vorbereitung und der Austausch für Einsätze im schulischen Umfeld
sind. Wer gut vorbereitet ist, kann in schwierigen Situationen Ruhe bewahren und den Menschen im Schulumfeld Halt
geben. Genau darin liegt die besondere Aufgabe der Notfallseelsorge – gerade dann, wenn der Alltag plötzlich zerbricht.“
Ann-Christin Ladermann
(Bischöfliche Pressestelle Münster)

Rund 70 Notfallseelsorgende aus den Kreisen Warendorf, Borken, Coesfeld, Steinfurt
und der Stadt Münster kamen zu dem Fortbildungstag „Notfallseelsorge in der Schule“ zusammen.
© Bistum Münster
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„Hilfe in den schwersten Momenten“
Rund 100 Gäste feierten das 25-jährige Jubiläum der Notfallseelsorge im Kreis Coesfeld. Foto: Angelika Liebsch
Das Team der Opferbetreuer bei der Polizei. Foto: Angelika Liebsch
Gründete die Notfallseelsorge im Kreis Coesfeld: Pfarrer em. Martin Ness. Foto: Angelika Liebsch
Die beiden Koordinatoren der Opferbetreuer Britta Buschhüter und Stefan Feldhaus. Foto: Angelika Liebsch

25 Jahre Notfallseelsorge im Kreis Borken
Am 5. September 2025, feierte die Notfallseelsorge im Kreis Borken ihr 25-jähriges Jubiläum in der katholischen Familienbildungsstätte in Gronau. Der Festakt begann mit einem ökumenischen Gottesdienst, geleitet von Pfarrerin Alexandra Hippchen, die in ihrer Predigt die besondere Aufgabe der Notfallseelsorger:innen betonte: „Notfallseelsorge ist bei Menschen, deren Lebensentwurf zerschlagen wurde.“
Die Notfallseelsorge wurde im Jahr 2000 im Münsterland auf Wunsch der Landeskirche von Pfarrer i.R. Martin Neß und weiteren Mitgliedern der evangelischen und katholischen Gemeinden gegründet. Ursprünglich waren Pfarrerinnen und Diakone auf Anforderung von Polizei oder Feuerwehr direkt vor Ort, um Menschen in akuten Krisensituationen zu stabilisieren und gleichzeitig die Einsatzkräfte zu entlasten. Schnell zeigte sich, dass dieser Einsatz die Seelsorger:innen selbst stark beanspruchte. Die Gründung der Notfallseelsorge ermöglichte ein organisiertes Ehrenamtssystem. Während die Dienste zunächst eine ganze Woche dauerten, entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Schichtsystem, das heute einen 24-Stunden-Dienst an sieben Tagen pro Woche garantiert.
„Die Notfallseelsorge ist kein Zusatz, sondern Teil der Rettungskette“, betonte Denis Lüttke. Dietmar Brüning vom Opferschutz ergänzte: „In einem Vierteljahrhundert waren Menschen in den dunkelsten Momenten nicht allein. Notfallseelsorge und Polizei stehen Seite an Seite und ergänzen sich gegenseitig.“ Die Rolle der Seelsorger:innen ist klar umrissen: Nähe, Beistand und Hoffnung geben – unabhängig von Schuld, Religion oder gesellschaftlicher Stellung.
Auch in der Predigt von Pfarrerin Hippchen wurde die weltweite Dimension menschlicher Not angesprochen. Sie nannte aktuelle Krisen wie Krieg und Gewalt in der Ukraine, in Gaza, Israel und im Sudan, und machte deutlich, wie wichtig Menschen sind, die andere begleiten und für sie da sind. Sie ist sich sicher: Die Notfallseelsorge vor Ort leistet einen greifbaren Beitrag: „Wir tragen einen Teil der Last und planen gemeinsam, wie es weitergehen soll.“
Das Jubiläum bot Raum für Grußworte von Bürgermeister Rainer Doetkotte, Vertreter:innen des Kreises Borken, der Feuerwehr, des Polizeipräsidiums und der Kirchen. Doetkotte dankte ausdrücklich allen, die diesen Dienst leisten: „Es muss Menschen geben, die es können, und es kann nicht jeder. Wir können Ihren Dienst nicht hoch genug schätzen.“ Allein im Jahr 2024 begleitete die Notfallseelsorge im Kreis Borken 150 Einsätze.
In einem Interview mit Pfarrer i.R: Martin Neß schilderte dieser die Anfänge und die Entwicklung der Notfallseelsorge. Anfangs bestand das Team ausschließlich aus Pfarrpersonal und Pastoralreferent:innen. Über Gemeindebriefe und das Ehrenamt kamen weitere Freiwillige hinzu, die sich in Fortbildungen schulen ließen. Neß betonte: „Die Fähigkeit, sich auf den Menschen einzulassen, ist entscheidend. Die Notfallseelsorge ist nicht mehr wegzudenken.“ Seinen Wunsch für die Zukunft fasste er so zusammen: „Erhalten bleiben eine Berührung mit Nächstenliebe und Opferbereitschaft.“
Das Jubiläum der Notfallseelsorge im Kreis Borken ist nicht nur ein Rückblick auf 25 Jahre engagierte Arbeit, sondern auch ein deutliches Signal: In Momenten größter Not können Menschen auf verlässliche, professionelle und menschlich zugewandte Unterstützung zählen. Ein Vierteljahrhundert zeigt, dass Seelsorge in Krisen nicht nur hilfreich, sondern unverzichtbar ist – ein unsichtbares Netz, das Menschen auffängt, wenn ihr Lebensentwurf ins Wanken gerät.
